Schattenklinge in Dämonenhand

Wirtin-Ritter-Herrmann-IngoKlinge, Gold und Geisterstunde

Bildbeschreibung: Eine detaillierte Fantasy-Tavernenszene, in der LivingEvil und Gefährten das Schicksal eines Drachentöter-Schwerts verhandeln. Ingo der Drache beobachtet alles aus luftiger Höhe, während Herrmann das Pferd auf frisches Heu wartet.

Ein strahlender Sommertag lag über dem Land. Sonnenstrahlen kitzelten die Haut, milde Wärme streichelte das Gemüt und in der Ferne hallte schallendes Gelächter durch die Luft. Ein sanfter Windhauch trug das Lied der Vögel über das Dach der Dämonen-Taverne.

Als Livi, die Wirtin, die Schwelle zum Schankraum überschritt, wurde die Taverne sogleich von einem hellen, goldenen Licht durchflutet. Ein kühler Zug frischer Luft strömte durch das Tor und die kleinen Dämonenkatzen räkelten sich wohlig glucksend im glitzernden Schein. Aus Nah und Fern strömten die Gäste herein, um der herannahenden Hitze zu entkommen. Buntes Treiben, lautes Lachen und Stimmengewirr erfüllten die Luft und zauberten der Wirtin ein breites, freudiges Strahlen ins Gesicht.

„Willkommen in meiner kleinen Dämonen-Taverne!“, rief Livi den Ankömmlingen zu und dachte im Stillen daran, ihren Gästen reichlich zu trinken anzubieten. „Nehmt Platz, unser junger Ogar bringt euch, was immer euer Herz begehrt!“

Plötzlich wurde es schlagartig ruhig im Schankraum. Ein neuer Gast hatte die Taverne betreten. Ein gold-orangenes Leuchten blitzte geheimnisvoll hinter seiner dunklen Sonnenbrille auf. Kurz stockten die Gespräche der Zwerge, Elfen und Dämonen am Tresen, doch schon im nächsten Moment plätscherte die Geräuschkulisse weiter, als wäre nichts geschehen. Ein feiner, edler Duft von Räucherwerk verströmte im Raum.

Livi schnupperte überrascht. Die Gestalt kenne ich doch!, schoß es ihr durch den Kopf, und ein Lächeln stieg in ihr auf.

Der Gast trat an den Tresen und sagte entspannt: „Hallo Frau Wirtin, meine Freunde meinten, Ihr hättet etwas für mich. Das ist sehr freundlich, wäre aber gar nicht nötig gewesen. Einen Chilli-Schnaps nehme ich gerne...“

„Sei gegrüßt, mein Freund!“, rief Livi herzlich. „Nimm Platz und mach es dir gemütlich. Oh JAAAA... ich geh es mal direkt holen!“

Sie flitzte nach hinten und kehrte kurz darauf mit einem ganz besonderen Elixier zurück. „Hier, nur für dich. Ich hoffe, es mundet!“, sagte sie und zwinkerte Ingo, dem Inkognito-Drachen, freundlich zu.

Ingo nahm dankend einen Schluck, lehnte sich zurück und meinte schmunzelnd: „Die beiden anderen kommen nach. Zu Fuß dauert offensichtlich alles etwas länger, selbst wenn man zu zweit insgesamt sechs Beine hat.“

Bei diesen Worten verlor Livi glatt die Fassung. Sie musste sich schallend den Bauch halten vor Lachen. „Sag sowas nicht, wenn die beiden in der Nähe sind!“, gluckste sie und kringelte sich vor Amüsement am Tresen. „Aber schön, dass die zwei auch gleich da sind. Dann mach ich schon mal das frische Heu und einen Humpen schwarzen Goldes fertig!“

Später – viel später – kündigten schwere Hufschritte und das Scheppern einer Rüstung die Ankunft der Nachzügler an. Der Ritter und sein treues Pferd Herrmann traten durch die Tür, tief in ein Wortgefecht verwickelt.

„Mein Pferd, ich wusste gar nicht, dass du so fies sein kannst!“, beschwerte sich der Ritter kopfschüttelnd.

„Du hast es doch auch genossen“, schnaubte Herrmann trocken. „Und allmählich gehen mir diese selbsternannten Drachentöter gehörig auf den Keks. 'Habt ihr den Drachen gesehen?' Welcher Trottel von Drachentöter übersieht bitte einen ausgewachsenen Drachen? Da hab ich halt jeden in eine andere Richtung geschickt.“

„Aber gleich zu einer Gestaltwandlerin?“, fragte der Ritter erheitert.

„Der wollte es mit einem Drachen aufnehmen, hallo? Du warst aber auch fies!“

„Okay, da konnte ich einfach nimmer anders!“, verteidigte sich der Ritter lachend. „Der hatte ja schon gezittert, als er überhaupt nach Ingo gefragt hat. Da dachte ich mir, ich erzähle ihm einfach, dass sich der Drache manchmal in ein sprechendes Pferd verwandelt. Hat er mir ja eh nicht geglaubt...“

„...bis ich ihn direkt angeschaut und 'Genauso isses!' gesagt habe!“, grinste Herrmann Pferdezähne bleckend. „Ich wusste gar nicht, dass man in einer Vollrüstung so schnell rennen kann!“

„Hat glatt sein Schwert vor Schreck weggeworfen“, schmunzelte der Ritter und klopfte Herrmann auf die Nüstern. „Was mach ich jetzt nur damit?“

„Naja, tauschen gegen Kaffee und Heu?“, schlug das Pferd vor.

„Jupp!“

Livi, die der Geschichte amüsiert gelauscht hatte, trat mit funkelnden Augen vor die beiden. „Was für ein Abenteuer! Seid gegrüßt, ihr zwei. Ich habe gesehen, du hast da ein Schwert? Lass mal sehen!“

Der Ritter überreichte ihr die Waffe. Livi wog das schwere Eisen in ihren Händen, strich über die Klinge und begutachtete den Knauf von allen Seiten. „Uhh... mhhhh... ja... achsoooo sieht das aus... echt? Wahnsinn!“

Sie räusperte sich spielerisch und blickte den Ritter mit einem verschmitzten Dämonengrinsen an. „Ähmm... sag mal, magst du mir das Schwert verkaufen? Alsooooo... ich wäre bereit, dir einen Sack voll mit Schätzen zu überlassen.“

Sie zog einen prall gefüllten Lederbeutel hervor, aus dem das Glitzern von purem Gold und kostbaren Edelsteinen aus den tiefsten Dungeons hervorblitzte.

Als der Ritter überrascht die Augen aufriss, hob Livi lachend die Hände: „Und kein erschrockenes Gesicht bitte, sonst muss ich dir glatt Tränen ins Gesicht zaubern! He he!“

Sie stellte dem Pferd einen duftenden Berg aus frischestem Heu hin und schob dem Ritter einen dampfenden, pechschwarzen Humpen Kaffee über den Tresen.

„Hier ihr zwei, für die tolle Geschichte gibt es für euch nur das Beste! Das Heu, das du so sehr liebst, Herrmann – und für dich, mein lieber Ritter, nur der beste Humpen schwarzen Goldes, den du je getrunken hast!“

So saßen sie bis spät in die Nacht zusammen: der verkleidete Drache, das schlagfertige Pferd, der müde Ritter und die lachende Dämonenwirtin. Die Taverne brummte vor Leben, und draußen verblasste die Hitze des Tages unter einem sternenklaren Himmel.

Ich danke Johann Uhrmann für diese tolle Unterhaltung und die Inspiration zu einer weiteren Geschichte vom Ritter mit seinem sprechenden Pferd Herrmann und Ingo der Inkognito Drache

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